Kiribati

Ki|ri|ba|ti; -s:
Inselstaat im Pazifischen Ozean.

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Kiribati
 
 
 
Fläche: 811 km2
 
Einwohner: (2000) 87 000
 
Hauptstadt: Bairiki
 
Amtssprachen: Gilbertesisch, Englisch
 
 
Währung: 1 Australischer Dollar/Kiribati ($A/K) = 100 Cents (c)
 
Zeitzone: 2300 Bairiki = 1200 MEZ
 
[-'bas], amtlich englisch Republic of Kiribati [rɪ'pʌblɪk əv-], Staat im Pazifik, zwischen 4º 43' n. Br. und 10º 30' s. Br. sowie 169º 32' ö. L. und 150º westlicher Länge, 811 km2 (davon 717 km2 Landgebiet), (2000) 87 000 Einwohner. Hauptstadt ist Bairiki (auf Tarawa), Amtssprachen sind Gilbertesisch (I-Kiribati, eine austronesische Sprache) und Englisch; Währung: 1 Australischer Dollar/Kiribati ($A/K) = 100 Cents (c). Mit einer West-Ostausdehnung von 3 870 km erstreckt sich Kiribati beiderseits der Datumsgrenze über mehrere Zeitzonen. Uhrzeit: 2300 Bairiki = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der am 12. 7. 1979 verkündeten Verfassung ist Kiribati eine präsidiale Republik im Commonwealth. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der auf vier Jahre direkt gewählte Präsident (»Beretitenti«). Das Parlament als Legislative besteht aus 39 für vier Jahre vom Volk gewählten Abgeordneten, einem Repräsentanten der Insel Banaba und dem Generalstaatsanwalt. Aus der Mitte der Abgeordneten ernennt der Präsident sein dem Parlament verantwortliches Kabinett.
 
Parteien:
 
Einflussreichste der stark von traditionellen Sippenverbänden geprägten Parteien sind die Maneaban Te Mauri (MTM) und die National Progressive Party (NPP).
 
 
Das Wappen (das ursprüngliche Wappen der Gilbert- und Ellice-Inseln) zeigt auf rotem Grund eine über einem blauweißen wellengeteilten Wellenschildfuß aufgehende goldene Sonne und über dieser einen goldenen Fregattvogel. Der Wahlspruch auf dem am 12. 7. 1979 hinzugefügten Spruchband lautet übersetzt »Glück, Friede und Wohlstand«.
 
Nationalfeiertage:
 
12. 7., erinnert an die Erlangung der Unabhängigkeit 1979.
 
 
Es existiert ein abgestuftes Gerichtssystem mit dem Hochgericht an der Spitze und zahlreichen Amtsgerichten auf unterster Ebene. Die Ernennung der Richter obliegt dem Präsidenten.
 
 
Kiribati unterhält keine Streitkräfte und ist auch in kein Militärbündnis integriert. Die innere Sicherheit wird von einer kleinen Polizeitruppe gewährleistet.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Der Staat Kiribati mit seinen 33 Koralleninseln (Atollen) erstreckt sich beiderseits des Äquators in einem Meeresgebiet von rd. 5 Mio. km2 (3 870 km West-O- und 2 050 km N-Südausdehnung). Er umfasst (von Westen nach Osten): Banaba (Ocean Island; bei 169º 35' ö. L. und 0º 52' s. Br.; 6 km2, 1990: 280 Einwohner), die Gilbertinseln (zwischen 172º 58' und 176º 49' ö. L. sowie 3º 17' n. Br. und 2º 38' s. Br.; 16 Atolle mit zusammen 286 km2 und 67 500 Einwohnern, davon 29 000 auf Tarawa), die Phönixinseln (acht Atolle ohne ständige Bewohner) sowie acht der 11 Linieninseln; bewohnt sind nur die drei nördlichen: Teraina (früher Washington Island) mit 930 Einwohnern, Tabuaeran (früher Fanning Island) mit 1 300 Einwohnern und Kiritimati (früher Christmas Island) mit 2 500 Einwohnern. Mit Ausnahme von Banaba, einer herausgehobenen Koralleninsel (bis 81 m über dem Meeresspiegel), sind alle übrigen niedrige Koralleninseln und -eilande, die in der Regel nur 1-3 m über Fluthöhe liegen, keine Flüsse und nur wenige Süßwasserseen haben und meist zu unregelmäßigen, oft kettenförmigen Atollen zusammengeschlossen sind. Kiritimati ist mit 575 km2 (Landfläche: 388 km2) eines der größten Atolle des Pazifiks. Das Atoll Tarawa (Landfläche 23 km2) der Gilbertinseln besteht aus 15 Inseln, die alle an der Süd- oder Ostseite des dreieckförmigen Atolls liegen.
 
 
Kiribati hat ein heißes, tropisches Klima mit sehr geringen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Tagsüber erreicht die Temperatur Werte von 27 ºC bis 34 ºC. Die Inseln liegen im Bereich der äquatorialen Zenitalregen mit starken Schwankungen der jährlichen Regenmengen: Die Regenzeit dauert von Oktober bis März. Von März bis Oktober herrscht der Nordwestpassat vor, in der übrigen Zeit können Stürme vorkommen. Auf den nördlichen und südlichen Inseln fallen mehr Niederschläge als auf den äquatornahen, wo regelmäßig Dürreperioden eintreten (Steigungsregen können mangels Gebirgen nicht auftreten). Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 2 500 bis 3 000 mm auf den nördlichsten und südlichsten Inseln und um 1 000 mm am Äquator, auf der Hauptinsel Tarawa etwa 1 500 mm.
 
 
Auf den meisten Inseln wachsen Kokospalmen; wichtig, aber seltener ist der Schraubenbaum (Pandanus). Beide Arten liefern den Inselbewohnern den Baustoff für ihre Kegelhäuser.
 
 
97,4 % der Bevölkerung sind Mikronesier und leben überwiegend auf den Gilbertinseln (Gilbertesen), v. a. auf dem Tarawa-Atoll. Die ursprünglichen Bewohner von Banaba wurden 1945 wegen des ausgedehnten Phosphattagebaus auf die zu Fidschi gehörende Insel Rabi (östlich von Vanua Levu) umgesiedelt. Sie selbst betrachten sich ethnisch nicht den Gilbertesen zugehörig. Auf den Linieninseln leben Polynesier. Die städtische Bevölkerung beträgt (1995) 36 %; die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung (1985-94) 1,5 %. Die gesellschaftliche Organisation basiert auf der Familienstruktur, bei der die traditionell stark ausgeprägte soziale Hierarchie noch vorhanden ist. Der Boden ist in der Regel Eigentum von Familien.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Über 93 % der Bevölkerung sind Christen; rd. 53 % gehören der katholischen Kirche an (Bistum Tarawa und Nauru; Bischofssitz: Bairiki [Suffraganbistum von Suva]), etwa 40 % protestantischen Kirchen und Gemeinschaften (Kongregationalisten, Church of God, Adventisten). Die wenigen anglikanischen Christen gehören zur anglikanischen Kirche der Provinz Neuseeland. Weitere Religionsgemeinschaften bilden die Bahais (über 2 100) und die Mormonen (rd. 1 400).
 
 
Schulpflicht besteht vom 6. bis 14. Lebensjahr. Einer sechsjährigen Primarstufe folgt eine fünfjährige Sekundarstufe. 92 % aller Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bekommen eine Grundschulausbildung. Demzufolge beträgt die Analphabetenquote nur 10 %. Auf Tarawa (in Bairiki) gibt es ein Universitätscollege (Außenstelle der University of the South Pacific in Suva [Fidschi]).
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Die natürlichen Ressourcen Kiribatis sind äußerst gering. Nach der Einstellung des Phosphatabbaus im Jahr 1979 (die Vorkommen auf Banaba wurden seit 1900 ausgebeutet) hat die Wirtschaftskraft Kiribatis stark nachgelassen. Das Land zählt heute mit einem Bruttosozialprodukt je Einwohner von (1994) 720 US-$ zu den wenig entwickelten Ländern. Wichtigste Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft und Fischerei. Fast die gesamte nutzbare Bodenfläche der Inseln wird von Kokospalmen eingenommen. Kopra ist das einzige landwirtschaftliche Exportprodukt (Kopragewinnung 1994: 8 000 t). Die meisten Inselbewohner betreiben Subsistenzlandwirtschaft und Fischerei. Der Algenanbau (für Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie) gewinnt an Bedeutung. Die städtische Bevölkerung ist auf Nahrungsmittellieferungen angewiesen. Mit einer 3,5 Mio. km2 umfassenden 200-Seemeilen-Zone verfügt Kiribati weltweit über eines der größten Fanggebiete. Die Fangmenge der einheimischen Fischerei beträgt (1991) 30 000 t. Eine wichtige Devisenquelle ist die Vergabe von Fischereirechten v. a. an japanischen und südkoreanischen Unternehmen. Der Tourismus hat bisher geringe Bedeutung.
 
 
Seit Einstellung des Phosphatexports, dessen Exportanteil (1979) 90 % betrug, ist die Außenhandelsbilanz stark defizitär (Import 1993: 22,7 Mio. US-$, Export 4 Mio. US-$). Bei der Ausfuhr dominieren Kopra und Fischereiprodukte. Die Zahlungsbilanz kann jedoch einen Überschuss ausweisen, v. a. dank der Zinseinkünfte aus dem Phosphatfonds und der Einkünfte aus den Fischereilizenzen. Die wichtigsten Handelspartner sind Australien, die USA und Japan.
 
Verkehr:
 
Das Straßennetz hat eine Länge von 640 km. Für Kiribatis Inselwelt ist die Seeschifffahrt das wichtigste Bindeglied. Wichtigster Überseehafen ist Betio auf Tarawa. Auch der internationale Flughafen Bonriki Airport liegt auf Tarawa.
 
 
Mit den schon in prähistorischer Zeit hierher vorgedrungenen austronesischen Siedlern vermischten sich im 14. Jahrhundert Tongaer und Fidschianer. Einige der Gilbertinseln wurden 1765, andere 1788 von englischen Seefahrern (unter ihnen Thomas Gilbert, nach dem die Inselgruppe später benannt wurde) entdeckt; seit 1837 kamen die ersten ständigen europäischen Siedler, 1857 begann die christliche Missionierung. 1892 wurden die Gilbert- und die Ellice-Inseln britisches Protektorat, 1916 Kronkolonie (»Gilbert and Ellice Islands«), der 1919 Christmas Island (heute Kiritimati) angeschlossen wurde, 1937 auch die Phönixinseln, deren Besitz wie der Kiritimatis bis 1979 zwischen Großbritannien und den USA strittig blieb, sowie die übrigen Linieninseln (mit Ausnahme von drei unter amerikanischer Verwaltung verbliebenen unbewohnten Atollen). Die Kronkolonie war während des Zweiten Weltkriegs 1942-43 von Japan besetzt; Tarawa wurde zum Schauplatz eines der heftigsten Kämpfe zwischen Japanern und Amerikanern im Pazifikkrieg (von US-amerikanischen Truppen durch ein verlustreiches Landungsunternehmen vom 20.-23. 11. 1943 erobert). 1975/76 löste die britische Regierung die Ellice-Inseln unter dem Namen Tuvalu aus der gemeinsamen Verwaltung. Die übrigen Inseln (Gilbert Islands Colony) erhielten im Januar 1977 innere Selbstverwaltung und wurden am 12. 7. 1979 als Kiribati in die Unabhängigkeit entlassen. 1979-91 stand Ieremia Tabai als Präsident an der Spitze von Staat und Regierung, 1991-94 Teatao Teannaki. Nach dem Sturz Teannakis im Mai 1994 wählte die Bevölkerung im September 1994 Teburoro Tito zu seinem Nachfolger.

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Ki|ri|ba|ti; -s: Inselstaat im Pazifischen Ozean.

Universal-Lexikon. 2012.

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